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am 12.01.2012 um 12:14 Uhr

CDU setzt Diffamierungskampagne gegen Bon Courag fort

Bon Courage veröffentlicht eine letzte Stellungnahme und sucht erneut eine konstruktive Diskussion


Nachdem bereits im Jahr 2011 die CDU nicht müde wurde den Verein Bon Courage zu kritisieren, setzt sich dieser Trend auch im neuen Jahr fort. In einem Zeitungsartikel vom 10. Januar äußert sich diesmal der Landtagsabgeordnete Georg-Ludwig von Breitenbuch zum Thema und offenbart einmal mehr, dass die CDU es scheinbar ablehnt sich auf konstruktive Weise mit Themen zu beschäftigen.

Argumente gegen die Ablehnung der Extremismusklausel können leider vergeblich gesucht werden. Vielmehr schleudert von Breitenbuch mit wilden Assoziationen um sich, in deren Folge alles, was seiner Meinung nach links ist, mit der Stasi und der RAF sympathisiert. Einer solchen Logik folgend müsste auch alles, was rechts ist im Zusammenhang mit der Gestapo und der Zwickauer Zelle gesehen werden. Dass jedoch qualitative Unterschiede zwischen RAF und „NSU“ bestehen und dass auch die DDR keine Vernichtungslager eingerichtet hat, sollte Herr von Breitenbuch wenigstens schon mal gehört haben.

„Glücklicherweise sind wir in der Lage zu differenzieren und sehen die Gesellschaft sehr viel komplexer als manch CDU-Landtagsabgeordneter. Gerade deshalb sind wir wohl auch an einer Veränderung interessiert.“, so eine Sprecherin des Vereins. Doch auch diese scheint von Breitenbuch eher kritisch zu sehen. Er bevorzugt scheinbar den Stillstand oder möchte am besten noch ein paar Schritte zurückgehen. „Wir haben mehrfach signalisiert, dass wir an einer konstruktiven Diskussion interessiert sind. Darauf wurde bisher nicht reagiert. Ganz im Gegenteil. Es werden weiter zusammenhangslose Anschuldigungen hervorgebracht, die nicht weiter vertieft werden, sondern meist aus ein, zwei Sätzen bestehen. Wir als Verein sehen keinen Sinn mehr weiter darauf einzugehen. Die Diskussion kann gern geführt werden – dann aber bitte im Gespräch auf einer sachlichen Ebene.“

Weiterhin ist es absolut lächerlich, dass als neuer Kritikpunkt am Verein, der Wohnort von Mitgliedern hervorgebracht wird. Es lohnt nicht weiter darauf einzugehen, was an einem Feindbild „Connewitz“ alles verwerflich ist, nur so viel dazu: „Der Großteil der Mitglieder von Bon Courage ist in Borna aufgewachsen und genau darin liegt auch der Grund warum wir uns gegründet haben. Weil wir nicht mehr auf die Straße gehen konnten ohne Beleidigungen und Angriffen ausgesetzt zu sein. Weil das Ausmaß an nazistischer Gewalt nicht mehr ertragbar war und weil dies gesellschaftlich und politisch ignoriert wurde. Wir sind also durch und durch ein Bornaer Verein, der sich gegründet hat, um den Bornaer Zuständen entgegenzuwirken. Falls Herr von Breitenbuch daran zweifelt kann er gern einen Blick in unsere Chronik werfen, die zeigt, dass wir fast jede Woche in Borna waren – aufgrund der zahlreichen Übergriffe legt sie trauriges Zeugnis darüber ab."

am 10.01.2012 um 11:41 Uhr

Pressemitteilung: Vernetzungsplattform „Netzwerk 360 Grad" geht online. Zusammenschluss verschiedener Zivilgesellschaftlicher Initiativen und Vereine in der sächsischen Provinz.

Seit Anfang Januar 2012 stellt sich das neugegründete „Netzwerk 360 Grad" mit einer eigenen Internetseite (www.netzwerk-360-grad.org) der breiten Öffentlichkeit vor. Entstanden ist diese Vernetzungsplattform aus den Überlegungen verschiedener politisch Engagierter, die sich in Sachsen abseits der Großstädte gegen Diskriminierung einsetzen. Dazu äußert sich Pressesprecher Daniel Drescher, welcher selbst für ein demokratisches Klima in Limbach-Oberfrohna aktiv ist, wie folgt: „Unser Ziel ist es, Gleichgesinnte zusammenzubringen und sowohl kulturelle als auch politische Arbeit voranzutreiben. Leider ist es in Sachsen so, dass viele Gegenden von Neonazis dominiert werden. Dem wollen wir hiermit entgegenwirken."

Auf der Internetseite stellen sich verschiedene Initiativen und Vereine vor, die bis jetzt aktiv zusammenarbeiten. „Gern können sich hier auch noch andere einbringen. Wir sind ein offener Zusammenschluss und prinzipiell interessiert an einer Zusammenarbeit mit verschiedensten Menschen und Organisationen", so Kati Voigt aus Döbeln, ebenfalls Pressesprecherin vom „Netzwerk 360 Grad".

Im nächsten Jahr plant das Netzwerk jeden Monat eine Veranstaltung in einem anderen Ort. Los geht es am 28.01.2012 in Grimma. Diese Veranstaltung wird zusammen vom Netzwerk 360 Grad und Netzwerk Naunhof organisiert. Der Abend wird mit einer Informationsveranstaltung zu den Naziaufmärschen in Dresden im Februar 2012 beginnen. Anschließend werden drei Bands spielen. Es wird diverse Infostände, eine Ausstellung und auch eine Soli-Cocktailbar geben. Wer sich weiter informieren möchte, schaut am besten auf www.netzwerk-naunhof.org.

 

am 09.01.2012 um 09:52 Uhr

PM der INITIATIVE IN GEDENKEN AN OURY JALLOH 08.01.2012:

Brutale Polizeigewalt bei Demo gegen rassistische Polizeigewalt

Mouctar Bah bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert

(Dessau, 7.1.12) Die friedliche Demonstration, die an den siebten Todestag, des in
Polizeigewahrsam in Dessau zu Tode verbrannten Afrikaner Oury Jalloh, erinnern sollte, artete in einer unprovozierten Gewaltorgie der Polizei aus. Dabei wurden zahlreiche Demonstranten verletzt. Mouctar Bah, Initiator der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh, wurde mehrmals von der Polizei geschlagen. Zum Ende der Kundgebung wurde er von mehreren Polizisten angegriffen, woraufhin er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.
Am Anfang der Demonstration versuchte die Polizei gewaltsam die Verwendung des Begriffs „Oury Jalloh, das war Mord" zu verbieten. Die Demonstranten weigerten sich und bezogen sich auf ihr Grundrecht der Meinungsfreiheit und entsprechende Gerichtsurteile, was die Polizei nicht akzeptierte. Nachdem ihr Versuch scheiterte, das Transparent gewaltsam zu entfernen, fing die Polizei mit Provokationen und Angriffen an, trotz der friedlich verlaufenden Demonstration. Für die Demonstranten schienen die polizeiliche Provokation und Angriffe ohnehin geplant zu sein. Es wurden gezielt Aktivisten ohne ersichtlichen Grund provoziert und geschlagen. Mouctar Bah und vielen Demonstranten wurde unvermittelt ins Gesicht geschlagen und u.a. an Nasen und Augen verletzt. Bei der Schlusskundgebung wurde Mouctar Bah von mehreren Polizisten zu Boden gerissen und geschlagen, sodass er bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Er ist im Krankenhaus geblieben.
„Egal wie hart uns die Polizei angreift und verletzt, wir werden den Kampf zur Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh niemals aufgeben." so Komi, ein Aktivist der Oury Jalloh Initiative.

Am 9. Januar 2012 wird der Oury Jalloh-Prozess fortgesetzt, am 19. Januar 2012 ist die Urteilsverkündung anberaumt.

http//:initiativeouryjalloh.wordpress.com

 

am 06.01.2012 um 20:15 Uhr

Liebe Menschen,

Zum fünften Mal in Folge organisiert der Bornaer Verein Bon Courage e.V. vom 05.-10.April 2012 für junge Menschen eine Gedenkstättenfahrt in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz für junge Menschen.

Während der fünf Tage werden die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, tiefer in die Thematik des Holocausts und in die Geschichte von Auschwitz einzutauchen. Eine professionelle Führung durch das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz, dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie andere vielfältige Programmpunkte werden zur thematischen Vertiefung beitragen. Außerdem bekommen die Teilnehmenden die Chance, sich mit anderen jungen Menschen auszutauschen und mit etwas Glück werden sie auch einen KZ-Überlebenden treffen. Der Schwerpunkt der diesjährigen Fahrt liegt auf dem Thema „Antiziganismus gestern, heute, niemals wieder – Sinti und Roma im KZ Auschwitz und die aktuelle Lebenssituation in Polen“. In diesem Themenrahmen sieht das Programm ein Treffen mit Roma in Oswiecim sowie mit jungen AktivistInnen vor.

Zum Abschluss der Fahrt wird die Gruppe für eine Nacht in das naheliegende Krakau reisen und dort das ehemalige Ghetto sowie andere Sehenswürdigkeiten besichtigen.

Damit die eigene finanzielle Lage kein Hindernis an einer Teilnahme darstellt, bitten wir jedes Jahr regionale sowie bundesweite Institutionen um finanzielle Unterstützung. Über den genauen Kostenpunkt können wir uns derzeit nicht äußern, doch unsere Erfahrungen sagen, dass eine Teilnahme unter 50 € möglich ist. Da die meisten Institutionen das Geld erst nach der Reise überweisen, werden alle Teilnehmenden darum gebeten, eine Anzahlung in etwa von 250 € zu machen.  Wem dies nicht möglich ist, kann sich gerne bei uns melden. Dafür gibt es auch Lösungen! Unserer Meinung nach darf Geld den Zutritt zur Bildung nicht versperren!

Bitte scheut euch nicht davor, uns zu kontaktieren und eventuell vorhandene Fragen zu stellen. Unter dem Link „Projekte“ könnt ihr einen Reisebericht von der Gedenkstättenfahrt 2010 lesen. Wir würden uns sehr darüber freuen, euch kennen zulernen.

 

Anmelden könnt ihr euch ab sofort unter info@boncourage.de oder gedenkfahrt@aol.com

am 22.12.2011 um 14:05 Uhr

Wenn Herr Göthel in seinem Leserbrief vom 20. Dezember einfordert, „wir sollten auch auf das linke Auge aufmerksam Acht geben“, dann ruft diese Aussage zu einem Zeitpunkt, in denen erst kürzlich die von der Neonazigruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ über Jahre hinweg begangene Mordserie an mindestens zehn Menschen bekannt geworden ist, nicht nur Verwunderung, sondern auch Wut in mir hervor. Wut, weil damit das antifaschistische Engagement zahlreicher Menschen, die aufgrund ihrer Aufrichtigkeit oftmals auch ihre Gesundheit, wenn nicht gar ihr eigenes Leben einem nicht zu unterschätzenden Risiko aussetzen, diskreditiert wird – und das wohlgemerkt in Zeiten, in denen die Opferzahl der von Neonazis seit 1990 allein in Deutschland ermordeten Menschen einen traurigen Spitzenwert von nunmehr 182 Todesopfern erreicht hat. Demgegenüber ist im übrigen kein einziger Toter bekannt, der hierzulande in dem gleichen Zeitraum von linker Seite ermordet wurde.

Als Paradebeispiel für linke Verbrechen führt Herr Göthel mit dem so genannten Holodomor in der Ukraine in den Jahren 1929 bis 1933 jedoch ein geschichtliches Ereignis an, dessen Ursachen und Auswirkungen unter Historikern höchst umstritten sind. Während Herr Göthel – ohne eine Quelle anzugeben – schreibt, diese Hungersnot hätte 14,5 Millionen Menschenleben gekostet, betrug die im November 2008 von der – wohlgemerkt – ukrainischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte Opferzahl 3,5 Millionen Tote. Doch ich möchte nicht wie Herr Göthel Opferzahlen gegeneinander aufrechnen. Jeder Tote ist ein Toter zu viel, hinter jedem Opfer steckt eine individuelle Lebensgeschichte, eine trauernde Familie und unendliches Leid. Wer mit einer derartigen Herangehensweise behauptet, „dass die Kommunisten (...) in der Ukraine einen Massenmord verübten, der noch krasser war als der der Nazis“, relativiert in verantwortungsloser Weise die eigene Geschichte.. Die Opfer eines fehlgeschlagenen Wirtschaftssystems in der Ukraine mit dem in Konzentrations- und Vernichtungslagern industriell betriebenen Massenmord seitens der Nationalsozialisten gleichzusetzen, stellt für mich die unwiderlegbare Singularität des Holocausts infrage und trägt zu einem Geschichtsrelativismus bei, der nur allzu schnell in Geschichtsrevisionismus mündet. Dieser wiederum bereitet oftmals erst rechtem Gedankengut den nötigen Nährboden – und welche Konsequenzen derartiges Denken nach sich ziehen kann, haben uns der bereits erwähnte „Nationalsozialistische Untergrund“, aber auch rechte Kameradschaften wie „Sturm 34“ aus Mittweida oder die „Terrorcrew Muldental“ deutlich vor Augen geführt.

Ohnehin wird aus Herrn Göthels Leserbrief nicht ersichtlich, wo die Verbindung zwischen einem mit dem sächsischen Integrationspreis ausgezeichneten und für seine hervorragende Bildungsarbeit anerkannten Verein wie Bon Courage e.V. mit dem Holodomor oder den ebenfalls von Herrn Göthel erwähnten angezündeten Bundeswehrfahrzeugen zu sehen ist. Anstatt das Engagement von Vereinen wie Bon Courage e.V. mit Leserbriefen wie diesem zu diskreditieren, sollte man doch wohl eher froh sein, dass es junge Menschen gibt, die – gerade auch in Sachsen – Jugendlichen Alternativen zur rechten Hegemonie in der Provinz aufzeigen und durch ihre Arbeit politische Bildung sowie kritisches Bewusstsein innerhalb der Bevölkerung gezielt vorantreiben.          

 

- Jan S.